Anne Frank Tag 2026 am Gymnasium Ottweiler

GO - Bunt und vielfältig

Erinnern, Verstehen und Verantwortung übernehmen

Auch in diesem Jahr beteiligte sich das Gymnasium Ottweiler am bundesweiten Anne Frank Tag 2026. Organisiert und vorbereitet wurde der Projekttag von der AG „bunt und vielfältig“, deren Mitglieder sich im Vorfeld intensiv mit dem Leben Anne Franks sowie der historischen Bedeutung ihres Schicksals auseinandersetzten.

Als zentraler Lernort entstand in einem der Lichthöfe der Schule eine Ausstellung über Anne Franks Leben. Ziel war es, den Schülerinnen und Schülern einen ersten Zugang zu ihrer Biografie zu ermöglichen und sie mit den historischen Hintergründen ihrer Geschichte vertraut zu machen. Die Ausstellung verband biografische Informationen mit authentischen Fotografien, die die Lebensumstände der Familie Frank eindrucksvoll veranschaulichten. Ergänzt wurde sie durch ein maßstabsgetreues Modell des Hinterhauses in der Prinsengracht 263. Dieses ermöglichte es den Besucherinnen und Besuchern, die räumlichen Bedingungen des Verstecks nachzuvollziehen und einen Eindruck davon zu gewinnen, wie beengt und von ständiger Angst geprägt der Alltag der Familie Frank über mehr als zwei Jahre hinweg war.

Den Lehrkräften war freigestellt, in welchem Umfang sie den Anne Frank Tag in ihren Unterricht integrierten. Zahlreiche Klassen nutzten die Ausstellung als Ausgangspunkt für ihre Auseinandersetzung mit Anne Franks Leben und arbeiteten mit den von der Anne Frank Stiftung bereitgestellten Materialien. Darüber hinaus wurde die Anne Frank Zeitung im Unterricht gelesen, die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbindet und aktuelle Fragestellungen aufgreift. Themen wie „Wie sich Krieg auf Familien auswirkt“ oder „Meine, deine, unsere Geschichte?“ regten die Schülerinnen und Schüler dazu an, über die Bedeutung von Erinnerung, Verantwortung und den Umgang mit Ausgrenzung und Diskriminierung in der heutigen Zeit nachzudenken.

Unter dem diesjährigen Motto „Geschichten erzählen“ beschäftigten sich insbesondere die Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 9 mit dem Schicksal der Sinti und Roma, die während der Zeit des Nationalsozialismus systematisch verfolgt und ermordet wurden. Anhand verschiedener Videosequenzen erzählte Petra Rosenberg die Geschichte ihres Vaters Otto Rosenberg, eines Auschwitz-Überlebenden, der sein Leben der Erinnerungs- und Aufklärungsarbeit widmete. Sein persönliches Schicksal machte deutlich, wie wichtig es ist, individuelle Lebensgeschichten zu bewahren und weiterzuerzählen.

Abgerundet wurde der Anne Frank Tag durch einen Workshop der Alex-Deutsch-Stiftung mit dem Titel „Was passiert, wenn ein Unrechtsregime darüber entscheidet, wer leben darf und wer nicht?“. Frau Jungfleisch stellte dabei ihren Dokumentarfilm „Weggesperrt, zwangssterilisiert, ermordet“ vor, der das Schicksal von 19 Euthanasie-Opfern aus Riegelsberg dokumentiert. Im anschließenden Austausch hatten die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, Fragen zu stellen und über die Folgen von Ausgrenzung, Entrechtung und menschenverachtender Ideologie zu diskutieren.

Der Anne Frank Tag 2026 machte deutlich, dass Erinnerungskultur weit über das Lernen historischer Fakten hinausgeht. Durch die Verbindung von Anne Franks Lebensgeschichte mit den Schicksalen von NS-Opfern aus dem Saarland gelang es, Vergangenheit und Gegenwart sowie nationale und regionale Geschichte miteinander zu verknüpfen. So wurde eindrucksvoll vermittelt, dass die Verbrechen des Nationalsozialismus nicht nur fernab, sondern auch in unserer unmittelbaren Heimat stattfanden. Das Gymnasium Ottweiler setzt damit ein klares Zeichen für eine lebendige Erinnerungskultur, die zum Nachdenken anregt, Verantwortung fördert und die Bedeutung von Menschlichkeit, Vielfalt und Demokratie in der Gegenwart unterstreicht.

Michele Gaffga