Es ist kein Unterrichtsfach und steht somit auch nicht auf dem Stundenplan, aber dennoch nimmt Schach am Gymnasium Ottweiler einen bedeutenden Stellenwert ein. Nun wurde die Schule des Landkreises Neunkirchen schon zum zweiten Mal als Deutsche Schachschule zertifiziert und das wurde am Donnerstagnachmittag in einer kleinen Feierstunde in der Aula gebührend gewürdigt.
Erstmals hatte das Ottweiler Gymnasium das Gütesiegel der deutschen Schachjugend für den Zeitraum 2019 bis 2023 erhalten, die jetzige Auszeichnung mit dem Siegel in Silber umfasst den Zeitraum bis 2029. Schon seit über 50 Jahren besteht an der Schule eine Schach-AG (Arbeitsgemeinschaft), die regelmäßig nachmittags zusammenkommt.
Die Anzahl der Teilnehmer schwanke in jedem Schuljahr ein wenig, erzählt Schulleiter Mark Hubertus am Rande der Feierstunde dem SZ-Mitarbeiter, aber in der Regel seien 30 bis 50 Schülerinnen und Schüler in der AG dabei.
Voraussetzung für die neuerliche Zertifizierung war unter anderem eine Kooperation mit einem Schachverein, sagt der Schulleiter weiter, und dabei fiel die Wahl auf den Schachclub Turm Illingen.
Zum Auftakt der Feierstunde begrüßte Hubertus einige Ehrengäste, engagierte Kollegen aus früheren Zeiten, aber auch mehrere AG-Teilnehmer, „die Lust und Laune, aber auch Erfolg beim Schach haben“. Simon Maurer, Lehrer am Gymnasium und Betreuer der Schach-AG, gab einen kurzen Einblick in die Arbeit und die Abläufe der AG.
Kultur-Staatssekretärin Jessica Heide hob hervor, dass das Siegel Deutsche Schachschule nur an Schulen verliehen wird, „die sich in besonderem Maße um den Schachsport bemühen und ihn den Schülern näherbringen“. Die Staatssekretärin erinnerte an den vielfachen Gewinn des Schulschachpokals, an unzählige Siege bei den saarländischen Schul-Schachmeisterschaften und an über 30 Teilnahmen an den deutschen Schul-Schachmeisterschaften „und das nenne ich Erfolg“. Die Vertreterin von Kulturministerin Christine Streichert-Clivot lobte den Weitblick des damaligen Schulleiters Hans Görgen, der die Schach-AG vor 50 Jahren gegründet hatte und sie würdigte das Engagement der beiden heutigen Leiter Mark Hubertus und Simon Maurer, die das erfolgreich weiterführen. „An Ihrer Schule wird das Spiel der Könige zum Spiel der Kinder“, meinte Jessica Heide.
Landrat Sören Meng dankte in seinem Grußwort „allen, die diesen Erfolg möglich gemacht haben“. Er sei als Träger stolz, diese Schule im Landkreis zu haben“, gestand der Chef der Kreisverwaltung. Strategisches Denken und die Fähigkeit, eigene Entscheidungen zu treffen seien ganz wichtige Akzente beim Schach und zudem lehre der Schachsport, „Verantwortung für Züge zu übernehmen, weiter zu denken, als man vielleicht muss, und das alles ohne Tablet oder Handy“. Zudem fördere Schach die Konzentrationsfähigkeit, die Kreativität und die Fähigkeit zur Problemlösung, hob Meng hervor, „und das alles so ganz nebenbei und mit einer großen Portion Spaß“.
Herbert Bastian, internationaler Schachmeister und Vizepräsident des Deutschen Schachbundes, machte deutlich, dass die Schachbegeisterung am Gymnasium Ottweiler auch nach 50 Jahren nicht erloschen sei. Das Fazit des erfolgreichsten saarländischen Schachspielers: „Was an der Schule in Sachen Schach geleistet wird, ist vorbildlich und verdient höchste Anerkennung“. Nach einem etwas längeren Ausflug in die lange Geschichte des Schachsports überreichte Herbert Bastian schließlich das erneute Siegel als Deutsche Schachschule. Nach dem offiziellen Teil trat er in einem Simultanturnier gegen fünf AG-Teilnehmer gleichzeitig an und das war für die Ottweiler Schülerinnen und Schüler natürlich ein besonderes Erlebnis.



